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Lesezeit ohne Eile

Mach dir einen Tee, setz dich bequem hin und lies diesen Text so langsam, wie du magst. Er läuft dir nicht weg.

Es war ein ganz normaler Dienstag in meiner ersten Schwangerschaft, ich stand in der Drogerie zwischen Wundschutzcreme und Stilleinlagen, in der Hand eine Liste, die ich mir am Abend vorher geschrieben hatte, und im Kopf eine zweite, viel längere Liste mit all den Dingen, die ich vor der Geburt noch erledigen wollte, Kinderzimmer streichen, Kliniktasche packen, Geburtsvorbereitungskurs, Steuererklärung, Übergabe im Job, Fenster putzen, weil man das doch macht, bevor ein Baby kommt, und plötzlich wurde mir so schwindelig, dass ich mich mitten im Gang auf den Boden setzen musste, mit dem Rücken an das Regal mit den Feuchttüchern gelehnt.

Eine ältere Verkäuferin hat sich zu mir heruntergebeugt, mir eine Flasche Wasser gebracht und dann, als sie gesehen hat, dass es mir wieder besser geht, ganz leise gesagt, dass das Baby mir wohl gerade sagen will, dass ich langsamer machen soll, und ich habe gelacht, weil mir nichts anderes eingefallen ist, und auf dem Heimweg im Auto habe ich geweint, weil ich gespürt habe, dass sie recht hatte und dass ich überhaupt nicht wusste, wie das geht, langsamer werden.

Wenn du gerade schwanger bist und dich zwischen Terminen, Erwartungen, Arbeit und deinem eigenen Anspruch manchmal selbst verlierst, dann ist dieser Text für dich, und ich möchte dir mit ihm vor allem eines sagen, nämlich dass du langsamer werden darfst, nicht irgendwann, wenn alles erledigt ist, sondern jetzt.

1

Was gerade in dir passiert

Schwanger zu sein verändert mehr als deinen Körper

Wir reden in der Schwangerschaft so viel über den Bauch, über Wochen, Werte und die Größe des Babys im Vergleich zu einer Avocado, dass wir manchmal vergessen, dass sich nicht nur unser Körper verändert, sondern unser ganzes Inneres, unser Blick auf uns selbst, auf unsere Beziehung, auf unsere Arbeit und auf das, was im Leben eigentlich wirklich wichtig ist.

Plötzlich tauchen Fragen auf, die vorher nie da waren, Fragen nach Verantwortung und Kontrolle, nach Vertrauen und nach der Frau, die man bisher war und die man vielleicht bald nicht mehr ganz sein wird, und manchmal mischt sich in all die Vorfreude eine ganz leise Angst, die man kaum benennen kann, weil sie sich nicht auf etwas Bestimmtes richtet, sondern einfach da ist, wie Nebel an einem Herbstmorgen.

Das alles braucht Raum, und Raum entsteht nicht, wenn wir unsere Tage bis zur letzten Minute füllen, sondern nur dann, wenn wir uns erlauben, ab und zu einfach stehen zu bleiben und zu schauen, was gerade in uns los ist.

2

Du darfst zweifeln

Diese leise Unsicherheit ist keine Schwäche

Ich habe lange geglaubt, dass ich mich irgendwann bereit fühlen müsste, so ein inneres Häkchen, das gesetzt wird, wenn man genug gelesen, genug vorbereitet und genug nachgedacht hat, und weil dieses Gefühl einfach nicht kommen wollte, dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht.

Heute weiß ich, dass sich kaum eine Mama vor ihrem ersten Kind wirklich bereit fühlt, und dass Sicherheit nicht daraus entsteht, dass man keine Zweifel mehr hat, sondern daraus, dass man seine Zweifel ernst nimmt, ihnen zuhört und trotzdem weitergeht, Schritt für Schritt, in einem Tempo, das sich für einen selbst gut anfühlt.

Eine Schwangerschaft ist ein Übergang, und Übergänge sind immer ein bisschen wackelig, wie eine Hängebrücke, auf der man sich am Geländer festhalten darf, und niemand würde von dir erwarten, eine Hängebrücke im Laufschritt zu überqueren.

~ ❀ ~

Du musst dich nicht bereit fühlen, um bereit zu sein.

3

Auch wenn du ihm gerade nicht traust

Dein Körper arbeitet für dich

Es gibt Tage, an denen sich der eigene Körper fremd anfühlt, an denen er schmerzt, zieht, müde ist oder Dinge tut, die man nicht versteht, und an solchen Tagen ist es schwer zu glauben, dass er eigentlich gerade das Unglaublichste leistet, wozu ein Mensch fähig ist.

Er trägt, nährt und beschützt ein neues Leben, rund um die Uhr, ohne Pause und ohne Feierabend, und er bereitet sich ganz still auf die Geburt vor, auch dann, wenn du gerade Wäsche zusammenlegst oder abends erschöpft vor dem Fernseher einschläfst, und vielleicht ist seine Müdigkeit gar kein Versagen, sondern eine Bitte, die er dir auf die einzige Art schickt, die er kennt.

Vertrauen in deinen Körper entsteht nicht durch Druck und nicht durch Kontrolle, sondern durch Ruhe und durch Verbindung, durch all die kleinen Momente, in denen du ihm zuhörst, statt ihn zu übergehen, wenn du dich hinlegst, obwohl die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt ist, oder wenn du ein Treffen absagst, weil du einfach keine Kraft mehr hast.

4

Pausen sind keine Faulheit

Du musst nicht funktionieren

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich bis zum letzten Tag vor dem Mutterschutz gearbeitet, als hätte ich etwas zu beweisen, und abends habe ich dann noch das Kinderzimmer eingerichtet, Bodys gewaschen und Listen geschrieben, und wenn mich jemand gefragt hat, wie es mir geht, habe ich gesagt, dass alles super ist, weil ich nicht zugeben wollte, wie müde ich war.

In meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich schon ein Kleinkind zu Hause und damit gar keine Wahl mehr, alles zu schaffen, und so seltsam das klingt, genau das war ein Geschenk, denn ich musste lernen, Dinge liegen zu lassen, Hilfe anzunehmen und mich mittags mit meinem großen Kind zusammen hinzulegen, statt die Zeit für den Haushalt zu nutzen, und ich war in dieser Schwangerschaft so viel ruhiger und so viel mehr bei mir.

Du darfst Tage haben, an denen du stark bist und Bäume ausreißen könntest, und du darfst Tage haben, an denen du nichts anderes schaffst, als zu essen, zu liegen und zu atmen, und beide Tage sind gleich viel wert, weil Veränderung nicht nur Kraft braucht, sondern auch Ruhe, so wie ein Samen im Boden nicht dadurch schneller wächst, dass man an ihm zieht.

Eine kleine Atempause

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4

Sekunden durch die Nase einatmen, bis in den Bauch

2

Sekunden sanft halten, ohne Druck

6

Sekunden langsam durch den Mund ausatmen

Leg dabei eine Hand auf deinen Bauch und wiederhole es fünfmal. Wenn dir schwindelig wird, atme einfach wieder ganz normal weiter.

5

Ein wichtiges Signal

Nicht jede Vorbereitung tut dir gut

Es gibt so viel, was man in einer Schwangerschaft angeblich tun, wissen, kaufen und lernen sollte, dass Vorbereitung schnell zu einer weiteren Aufgabe auf einer ohnehin schon viel zu langen Liste wird, und wenn du merkst, dass dich ein Buch, ein Kurs oder ein Gespräch nicht stärkt, sondern unruhig macht, dann ist das kein Zeichen, dass du dich mehr anstrengen musst, sondern ein wichtiges Signal, auf das du hören darfst.

Gute Vorbereitung fühlt sich an wie eine Hand auf der Schulter und nicht wie ein Stapel Hausaufgaben, sie lässt dich ruhiger zurück und nicht ängstlicher, und die wichtigste Vorbereitung passiert ohnehin nicht im Außen, sondern in dir, in der Art, wie du mit dir sprichst, wie du mit Unsicherheit umgehst und wie freundlich du zu dir bist, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast.

✂ Zum Ausschneiden und an den Kühlschrank kleben

Mein Erlaubnisschein

Hiermit erlaube ich mir für den Rest meiner Schwangerschaft,

♡  mittags zu schlafen, ohne mich dafür zu rechtfertigen,

♡  Einladungen abzusagen, wenn ich keine Kraft habe,

♡  Geburtsgeschichten zu unterbrechen, die mir Angst machen,

♡  das Kinderzimmer erst fertig zu haben, wenn es eben fertig ist,

♡  um Hilfe zu bitten, bevor ich nicht mehr kann,

♡  und mich einfach mal auf mein Baby zu freuen, ohne an die To-do-Liste zu denken.

Unterschrift: ______________________

6

Wie du mit dir sprichst

Deine Gedanken sind Teil deiner Reise

Was mir erst viel später klar geworden ist, ist, dass die Art, wie wir in der Schwangerschaft mit uns umgehen, oft genau die Art ist, wie wir später als Mama mit uns umgehen, und wer sich jetzt antreibt, kritisiert und nie genug ist, wird das sehr wahrscheinlich auch dann tun, wenn das Baby nachts zum vierten Mal wach ist und der Haushalt liegen bleibt.

Deshalb ist diese Zeit eine so wertvolle Übungszeit, nicht um alles im Griff zu haben, sondern um dir selbst ehrlich zu begegnen, deine Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen sofort zu glauben, und dir die Fragen zu erlauben, auf die es vielleicht noch keine Antwort gibt, denn manche Antworten kommen erst mit der Zeit, manche erst mit dem Baby im Arm und manche nie, und auch damit kann man ein gutes Leben führen.

~ ❀ ~

Mama sein heißt nicht, alles unter Kontrolle zu haben. Es heißt, sich selbst ehrlich zu begegnen.

7

Du musst das nicht allein tragen

Gemeinsam ist vieles leichter

Ich weiß nicht mehr, wie viele Abende ich in meiner ersten Schwangerschaft allein mit meinen Gedanken verbracht habe, weil ich dachte, dass alle anderen das irgendwie leichter hinbekommen, und wie erleichtert ich war, als eine Freundin mir irgendwann gestanden hat, dass sie in ihrer Schwangerschaft genau dieselben Ängste hatte und sich genauso wenig getraut hat, darüber zu sprechen.

Zu wissen, dass andere Frauen dasselbe fühlen, nimmt der Angst so viel von ihrer Schwere, und wenn du dir eine Begleitung wünschst, die dich ruhig, strukturiert und liebevoll durch diese Zeit führt, dann darfst du dir das gönnen, nicht weil du es sonst nicht schaffen würdest, sondern weil du es dir wert bist.

Eine sanfte Einladung

Aus genau diesem Wunsch heraus ist CleverMom* entstanden, eine ruhige Begleitung für Schwangere, die sich mehr Vertrauen in sich und ihre Geburt wünschen. Kein Versprechen und keine Verpflichtung, nur eine Einladung, falls du spürst, dass sie zu dir passt.

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8

Ein Geschenk für später

Langsam bleiben, auch wenn das Baby da ist

Wenn dein Baby erst einmal da ist, wird die Welt um dich herum oft wieder schneller, als dir lieb ist, und viele Mamas merken erst nach ein paar Monaten, wie sehr ihre Tage zwischen Wäsche, Suchen, Aufräumen und Hinterherräumen verschwinden, und wie wenig Zeit am Abend noch für sie selbst übrig bleibt.

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9

Zum Schluss

Geburt beginnt mit deiner Haltung zu dir

Ich glaube, die wichtigste Vorbereitung auf eine Geburt ist nicht das perfekte Kinderzimmer, nicht die vollständig gepackte Kliniktasche und nicht das gelesene Fachbuch, sondern die Freundlichkeit, mit der du dir selbst begegnest, denn aus ihr entsteht eine innere Stabilität, die dich trägt, egal wie deine Geburt verläuft und egal, was danach kommt.

Diese Stabilität darf wachsen, langsam und in deinem eigenen Tempo, und du musst dafür nichts leisten, außer dir immer wieder ein bisschen Ruhe zu schenken, so wie ich mich damals auf den Boden der Drogerie gesetzt habe, nur dass du hoffentlich nicht erst schwindelig werden musst, um dir diese Pause zu erlauben.

Du darfst langsamer werden, heute, morgen und an jedem Tag, der noch vor dir liegt, und dein Baby wird nicht weniger geliebt sein, nur weil die Fenster nicht geputzt sind.

~ ❀ ~

Ganz in Ruhe und von Herzen,

deine Alin 💛

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