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Ganzheitlich und ehrlich

Welche Haltungen dir unter der Geburt helfen können, was Studien dazu sagen und warum dein Körper oft selbst am besten weiß, wohin er möchte.

Bei meiner ersten Geburt lag ich am Ende auf dem Rücken, die Beine angewinkelt, das CTG am Bauch, und ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ob das eigentlich die richtige Position für mich ist, weil ich einfach dachte, dass man ein Kind eben so bekommt, so wie man es aus jedem Film kennt, und erst Wochen später, als ich mit meiner Hebamme beim Nachgespräch saß, hat sie ganz vorsichtig gefragt, ob ich mich in dieser Haltung eigentlich wohlgefühlt hätte, und ich habe gemerkt, dass ich nicht einmal wusste, dass ich eine Wahl gehabt hätte.

Bei meinem zweiten Kind war alles anders, ich bin herumgelaufen, habe mich an die Fensterbank gelehnt, auf dem Badewannenrand gesessen und mein Baby am Ende kniend vor dem Bett zur Welt gebracht, die Arme um meinen Partner geschlungen, und auch wenn ich nicht sagen kann, wie viel davon an der Position lag und wie viel einfach daran, dass ein zweites Kind oft schneller kommt, weiß ich eines ganz sicher, ich habe mich viel mehr als Teil meiner Geburt gefühlt und nicht als jemand, mit dem etwas passiert.

Deshalb möchte ich dir heute die Geburtspositionen zeigen, die du kennen solltest, ganzheitlich, also mit Blick auf deinen Körper, dein Baby und dein Gefühl, und ehrlich, mit dem, was die Forschung tatsächlich dazu weiß.

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Becken, Schwerkraft, Gefühl

Warum die Haltung so viel ausmacht

Dein Becken ist nicht starr, wie man oft denkt, sondern es kann sich unter der Geburt ein kleines Stück bewegen und weiten, je nachdem, wie du stehst, sitzt, kniest oder liegst, und wenn du aufrecht bist, hilft zusätzlich die Schwerkraft deinem Baby, tiefer zu rutschen, während Bewegung die Wehen oft besser erträglich macht und dir das Gefühl gibt, aktiv mitzuarbeiten, statt sie nur auszuhalten.

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Was die Forschung sagt

In einer MRT-Studie mit Schwangeren war der Beckenausgang im Vierfüßlerstand messbar weiter als in Rückenlage (Reitter et al., 2014). Schon eine ältere Studie hatte gezeigt, dass sich das Becken in stehenden und hockenden Haltungen um einige Millimeter weitet (Michel et al., 2002). Ein paar Millimeter klingen nach wenig, für den Weg deines Babys können sie aber einen Unterschied machen.

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Und wann sie trotzdem richtig sein kann

Warum die Rückenlage oft unbequem ist

Die klassische Rückenlage ist vor allem deshalb so verbreitet, weil sie für Ärzte und Hebammen praktisch ist, und nicht, weil sie für Frauen besonders gut ist, denn im Liegen arbeitet die Schwerkraft nicht mit, das Steißbein kann sich weniger bewegen, und bei manchen Frauen drückt die Gebärmutter auf die große Hohlvene, was zu Schwindel führen kann.

Das heißt aber nicht, dass du etwas falsch machst, wenn du dich hinlegen möchtest, manchmal braucht der Körper genau das, zum Ausruhen, bei großer Erschöpfung oder mit PDA, und dann ist die Seitenlage meist die angenehmere und sanftere Alternative zur Rückenlage.

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Mit allem, was dazugehört

Die Positionen im Überblick

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Stehen, Anlehnen, Abstützen

Eröffnungsphase · Rückenschmerzen

Du lehnst dich an deinen Partner, an die Wand oder an die Fensterbank, kreist mit dem Becken und wiegst dich durch die Wehen. Die Schwerkraft hilft deinem Baby, tiefer zu rutschen, und dein unterer Rücken wird entlastet.

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Vierfüßlerstand und Knie-Ellenbogen-Lage

Sterngucker · Rückenschmerzen · Dammschonung

Auf Händen und Knien oder mit den Unterarmen auf dem Bett nimmst du Druck von Wirbelsäule und Damm. Viele Hebammen mögen diese Position, wenn das Baby mit dem Gesicht nach oben liegt, weil sie ihm Platz zum Drehen geben kann.

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Seitenlage

Ausruhen · mit PDA · sanftes Tempo

Meist auf der linken Seite, mit einem Kissen zwischen den Knien. Sie ist schonend, entlastet die Hohlvene und gibt dir zwischen den Wehen Kraft zurück. Sie kann auch helfen, die letzte Phase etwas langsamer und damit dammschonender zu gestalten.

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Gebärhocker und tiefe Hocke

Austreibungsphase · viel Kraft

Hier ist der Beckenausgang besonders weit und die Schwerkraft arbeitet voll mit. Die Wehen werden dadurch oft sehr effektiv, aber auch sehr intensiv, deshalb brauchst du jemanden, der dich stützt.

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In der Wanne

Entspannung · Schmerzlinderung

Das warme Wasser trägt dich, die Muskeln lassen los, und Positionswechsel fallen viel leichter. Ob eine Geburt im Wasser für dich infrage kommt, besprichst du am besten vorher mit deiner Klinik oder deinem Geburtshaus.

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Sitzen auf Ball oder Stuhl

Eröffnungsphase · Pausen im Stehen

Auf dem Gymnastikball kannst du kreisen, wippen und dich nach vorn auf das Bett lehnen. Diese Haltung ist ein schöner Mittelweg zwischen Entspannung und Schwerkraft.

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Angelehntes Sitzen und Hängen

Austreibungsphase · Oberkörper entspannen

Du lehnst dich zurück an deinen Partner oder hältst dich an einem Tuch fest, das von der Decke hängt. Dein Oberkörper kann loslassen, während dein Becken frei bleibt.

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Aufrecht oder liegend?

Was die großen Studien sagen

Wenn man die Forschung zu Geburtspositionen ehrlich zusammenfasst, gibt es keine perfekte Haltung für alle, aber es gibt ein paar ziemlich klare Tendenzen, die ich dir nicht vorenthalten möchte.

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Was die Forschung sagt

Eröffnungsphase: Frauen, die aufrecht blieben und sich bewegten, hatten im Schnitt eine etwa 1 Stunde und 20 Minuten kürzere Eröffnungsphase und seltener einen Kaiserschnitt oder eine PDA (Cochrane-Übersicht mit über 5.000 Frauen, Lawrence et al., 2013).

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Was die Forschung sagt

Austreibungsphase ohne PDA: Aufrechte Positionen führten zu weniger Saugglocken- und Zangengeburten und seltener zu einem Dammschnitt. Möglicherweise gab es dafür etwas mehr leichte Dammrisse und häufiger einen höheren Blutverlust. Das Fazit der Forschenden: Frauen sollten die Position wählen dürfen, die sich für sie gut anfühlt (Cochrane-Übersicht mit über 9.000 Frauen, Gupta et al., 2017).

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Was die Forschung sagt

Mit PDA: Hier war es überraschend anders. In einer großen britischen Studie mit über 3.000 Erstgebärenden bekamen Frauen, die in der Austreibungsphase in Seitenlage blieben, häufiger ihr Kind spontan (41 %) als Frauen in aufrechter Haltung (35 %) (BUMPES-Studie, 2017).

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Die beste Geburtsposition ist die, in der du dich sicher fühlst, und die darfst du so oft wechseln, wie du möchtest.

Welche Position wann?

Situation Das kann helfen
Erste Wehen, alles fängt an Gehen, Anlehnen, Kreisen auf dem Ball
Starke Rückenschmerzen Vierfüßlerstand, nach vorn gelehnt sitzen
Baby ist ein Sterngucker Vierfüßler- und Knie-Ellenbogen-Lage
Erschöpfung oder PDA Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien
Austreibungsphase Knien, Hocker, Seitenlage, was sich gut anfühlt
Damm schonen Seitenlage oder Vierfüßler, langsam schieben
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Dein Körper führt

Wie du die richtige Position für dich findest

So viel Wissen es zu Geburtspositionen gibt, am Ende wird dein Körper dir unter der Geburt sehr deutlich zeigen, wohin er möchte, und das Wichtigste ist, dass du dir erlaubst, diesem Impuls zu folgen, auch wenn er überraschend ist, auch wenn du vorher etwas ganz anderes geplant hattest und auch wenn dich jemand höflich bittet, dich doch kurz hinzulegen, weil es für das CTG praktischer wäre.

Viele Kliniken haben heute kabellose CTG-Geräte, mit denen du dich frei bewegen kannst, und es lohnt sich, beim Kreißsaal-Infoabend danach zu fragen, genauso wie nach Gebärhocker, Seil, Ball und Wanne, damit du weißt, was dich erwartet.

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Halt geben, im wörtlichen Sinn

Was dein Partner tun kann

Viele Partner stehen unter der Geburt etwas hilflos am Rand, weil sie nicht wissen, wie sie helfen können, und dabei sind sie bei fast jeder aufrechten Position unglaublich wertvoll, als Stütze zum Anlehnen, als Arme, an denen du dich festhalten kannst, als warme Hände, die in den Wehen dein Kreuzbein massieren, und als ruhige Stimme, die dich daran erinnert, langsam auszuatmen.

Bei meiner zweiten Geburt hat mein Partner irgendwann einfach nur hinter mir gekniet und mich gehalten, ohne etwas zu sagen, und ich glaube, das war die beste Position von allen, nicht wegen meines Beckens, sondern wegen meines Herzens, denn wer sich gehalten fühlt, kann so viel leichter loslassen. Übt die Positionen deshalb am besten gemeinsam, dann weiß dein Partner im Kreißsaal schon, was zu tun ist, und du musst es ihm nicht mitten in einer Wehe erklären.

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Körper, Atem, Kopf

Ganzheitlich vorbereiten

Positionen fühlen sich unter der Geburt viel vertrauter an, wenn du sie vorher schon ein paar Mal ausprobiert hast, und dafür brauchst du kein Programm, sondern nur ein bisschen Zeit am Abend, am besten zusammen mit deinem Partner.

Ab etwa der 34. Woche

Vier kleine Übungen für zu Hause

Üben

Jede Position ein paar Minuten halten und spüren, wie sie sich anfühlt.

Atmen

Lang und langsam ausatmen, so als würdest du eine Kerze nur flackern lassen.

Vorstellen

Dir in Ruhe ausmalen, wie du dich frei bewegst und dein Körper führt.

Aufschreiben

Deine Lieblingspositionen in deine Wunschliste für die Geburt.

Sprich deine Wünsche auch mit deiner Hebamme ab, sie kennt deine Schwangerschaft und kann dir sagen, ob es Gründe gibt, auf bestimmte Positionen zu verzichten.

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Ich wünsche dir, dass du in deiner Geburt nicht stillhalten musst, sondern dich bewegen, wiegen, anlehnen, knien und ausruhen darfst, ganz so, wie dein Körper es dir sagt, und dass um dich herum Menschen sind, die dir genau das zutrauen, denn du bist nicht die Patientin in diesem Raum, du bist die Frau, die gerade ein Kind zur Welt bringt.

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Von Mama zu Mama, von Herzen,

deine Alin 💛

Quellen

Reitter A. et al. (2014): Does pregnancy and/or shifting positions create more room in a woman’s pelvis? Am J Obstet Gynecol.

Michel S.C. et al. (2002): MR obstetric pelvimetry: effect of birthing position on pelvic bony dimensions. AJR Am J Roentgenol.

Lawrence A. et al. (2013): Maternal positions and mobility during first stage labour. Cochrane Database Syst Rev, CD003934.

Gupta J.K. et al. (2017): Position in the second stage of labour for women without epidural anaesthesia. Cochrane Database Syst Rev, CD002006.

Epidural and Position Trial Collaborative Group (2017): Upright versus lying down position in second stage of labour in nulliparous women with low dose epidural: BUMPES randomised controlled trial. BMJ 359:j4471.

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