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Für Papas und Partnerinnen

Ein Brief von einer Mama an alle, die gerade an der Seite einer frischgebackenen Mama stehen und sich fragen, wie sie ihr wirklich helfen können.

Wenn du das hier liest, dann vermutlich, weil deine Partnerin dir diesen Link geschickt hat, vielleicht mit einem kleinen Herz dahinter, vielleicht ganz kommentarlos, oder weil du selbst gesucht hast, weil du spürst, dass bald etwas Großes auf euch zukommt und du dabei mehr sein möchtest als jemand, der Taschen trägt und Fotos macht, und allein dafür möchte ich dir schon einmal danke sagen.

Ich bin Alin, Mama von zwei Kindern, und ich erinnere mich noch sehr genau an die ersten Tage nach meiner ersten Geburt, an meinen Partner, der völlig übermüdet im Türrahmen stand und mich alle zehn Minuten liebevoll fragte, was er tun soll, und an mich, die auf dem Bett saß, blutend, weinend, mit einem Baby an der Brust, und überhaupt keine Kraft hatte, ihm das auch noch zu erklären, und wie wir beide uns in diesen Tagen so sehr geliebt und gleichzeitig so oft aneinander vorbeigeredet haben.

Beim zweiten Kind war es ganz anders, nicht weil wir uns mehr geliebt haben, sondern weil wir vorher darüber gesprochen hatten, was ich brauche, und weil er nicht mehr gefragt, sondern einfach gemacht hat, und genau das möchte ich dir mit diesem Text mitgeben, damit ihr diese besondere Zeit nicht nur übersteht, sondern als Familie gestärkt aus ihr herausgeht.

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Was ihr jetzt tun könnt

Schon vor der Geburt vorbereiten

Das Wertvollste, was du für euer Wochenbett tun kannst, passiert eigentlich schon vorher, in den Wochen vor der Geburt, wenn ihr noch Zeit und Kraft habt, ein paar Dinge in Ruhe zu klären, und ich verspreche dir, jede Stunde, die ihr jetzt investiert, schenkt euch später doppelt so viel Ruhe.

Kocht zusammen ein paar große Töpfe Suppe, Chili oder Bolognese und friert sie portionsweise ein, sprecht darüber, wer wann zu Besuch kommen darf und wer lieber erst nach ein paar Wochen, klärt, wie lange du dir freinehmen kannst, und fragt Freunde und Familie, wer in den ersten Wochen einkaufen, mit dem Hund gehen oder das große Geschwisterkind zum Spielplatz mitnehmen kann. Und dann setzt euch an einem ruhigen Abend hin und fragt sie, was ihr in den ersten Wochen am meisten helfen würde, und hört einfach zu, ohne gleich Lösungen zu suchen, denn genau dieses Gespräch hat bei uns beim zweiten Kind so viel verändert.

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Mehr als ein paar Tage Ruhe

Was das Wochenbett eigentlich ist

Das Wochenbett ist die Zeit nach der Geburt, in der der Körper deiner Partnerin heilt, sich die Gebärmutter zurückbildet, der Wochenfluss abklingt und die Hormone einmal komplett durcheinanderwirbeln, und gleichzeitig ist es die Zeit, in der aus einer Frau eine Mama wird und aus euch beiden Eltern, was sich manchmal wunderschön anfühlt und manchmal so überwältigend, dass einem die Luft wegbleibt.

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Gut zu wissen

Das Wochenbett dauert etwa sechs bis acht Wochen. In Deutschland übernimmt die Krankenkasse in dieser Zeit die Besuche einer Hebamme, in den ersten zehn Tagen sogar täglich, und bis zur zwölften Woche nach der Geburt kann deine Partnerin weitere Termine bekommen. Kümmert euch am besten schon in der Schwangerschaft um eine Hebamme, denn in vielen Regionen sind sie schnell ausgebucht.

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Ruhe, Wärme und dich

Was deine Partnerin jetzt wirklich braucht

Sie braucht Ruhe, keine Termine, keine Erwartungen, keine Verwandten, die das Baby herumreichen, während sie mit Netzunterhose auf dem Sofa sitzt und nicht weiß, wohin mit sich, und sie braucht Wärme, im wörtlichen Sinn mit Tee, Suppe und Decke, und im übertragenen Sinn mit einem Zuhause, in dem sie weinen, lachen, schlafen und stillen darf, ohne sich für irgendetwas davon rechtfertigen zu müssen.

Und sie braucht dich, nicht als Helfer, der auf Anweisungen wartet, sondern als jemanden, der mitdenkt, der sieht, dass das Wasserglas leer ist, bevor sie Durst hat, und der sagt, dass er stolz auf sie ist, dass sie das großartig macht und dass sie nicht allein ist, denn diese Sätze klingen vielleicht klein, aber für eine frischgebackene Mama, die an sich zweifelt, können sie die ganze Welt bedeuten.

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Frag nicht „Was soll ich tun?“. Sag „Ich mach das schon“, und dann mach es.

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Ganz konkret

Deine zehn wichtigsten Aufgaben

1

Die Ruhe schützen

Du entscheidest über Besuch und sagst Nein, wenn es zu viel wird.

2

Für Essen sorgen

Kochen, aufwärmen, Snacks griffbereit und immer ein volles Wasserglas.

3

Den Alltag übernehmen

Wäsche, Müll, Einkäufe, Haushalt, ohne dass sie daran denken muss.

4

Bedürfnisse vorher sehen

Kissen, Decke, Schmerzmittel nach Absprache, bevor sie fragen muss.

5

Mut machen

„Du machst das großartig.“ „Es ist okay, wenn du weinst.“

6

Dein Baby kennenlernen

Wickeln, tragen, baden, beruhigen, so wächst auch eure Bindung.

7

Pausen schenken

„Pause. Ich nehme das Baby.“ Und dann darf sie duschen oder schlafen.

8

Stimmung im Blick haben

Traurigkeit, Angst oder Erschöpfung liebevoll ansprechen.

9

Den Überblick behalten

Hebammentermine, Medikamente und die U-Untersuchungen.

10

Halt geben

Umarmungen, Nähe, Geduld und ganz viel Da-Sein.

Wenn ich mir aus dieser Liste nur eine einzige Sache aussuchen dürfte, dann wäre es die erste, denn nichts hat mir in meinem zweiten Wochenbett so gutgetan wie das Wissen, dass mein Partner an der Haustür steht wie ein freundlicher, aber sehr bestimmter Türsteher, der seiner Mutter erklärt, dass sie das Baby gern nächste Woche sehen darf, und der den Kollegen, die spontan mit Kuchen vorbeikommen wollten, eine liebe Nachricht schreibt, dass wir uns melden, sobald wir so weit sind.

5

Das Wochenbett verändert auch dich

Du darfst auch unsicher sein

Ich weiß, dass in all den Ratgebern immer nur von der Mama die Rede ist, und ich verstehe, dass das manchmal ein seltsames Gefühl hinterlässt, als wärst du nur die Nebenrolle in einer Geschichte, die eigentlich auch deine ist, denn auch für dich verändert sich gerade alles, dein Schlaf, deine Beziehung, dein Alltag und das Bild, das du von dir selbst hast.

Es ist völlig normal, wenn du dich in diesen Wochen überfordert fühlst, wenn du nicht weißt, warum dein Baby weint, oder wenn du dich manchmal ein bisschen ausgeschlossen fühlst, weil Mama und Baby so eng miteinander sind, und das alles darfst du aussprechen, bei deiner Partnerin, bei einem Freund oder bei der Hebamme, denn du wächst genauso in deine neue Rolle hinein wie sie, Schritt für Schritt und mit jedem Tag ein bisschen mehr.

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Gut zu wissen

Etwa die Hälfte bis vier von fünf Müttern erleben in den ersten Tagen nach der Geburt den sogenannten Babyblues, meist um den dritten bis fünften Tag herum. Er vergeht in der Regel innerhalb von etwa zwei Wochen von selbst. Hält die Traurigkeit länger an oder wird sie schwerer, kann eine Wochenbettdepression dahinterstecken, die etwa 10 bis 15 von 100 Müttern betrifft und gut behandelbar ist. Auch rund jeder zehnte Vater erlebt rund um die Geburt eine depressive Phase. Holt euch dann bitte Hilfe, zuerst bei eurer Hebamme oder in der Arztpraxis.

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Auch das gehört dazu

Nähe, ohne Erwartungen

Viele Partner fragen sich irgendwann leise, wann sie ihre Frau wieder „zurückbekommen“, und ich möchte dir ganz ehrlich sagen, dass ihr Körper gerade eine Geburt hinter sich hat, heilt, blutet, stillt und vom Schlafmangel völlig erschöpft ist, und dass Nähe in diesen Wochen oft ganz anders aussieht als vorher.

Nähe kann jetzt heißen, dass du ihr den Rücken massierst, während sie stillt, dass ihr zusammen auf dem Sofa liegt und euer Baby anschaut, oder dass du einfach ihre Hand nimmst, wenn sie nachts um drei wieder aufstehen muss, und all das bringt euch einander oft viel näher als alles andere, gerade weil es ohne Erwartungen kommt. Alles andere kommt wieder, wenn sie so weit ist, und wann das ist, entscheidet sie.

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Zum Ausdrucken für den Kühlschrank

Deine Checkliste

Für jeden Tag

Damit nichts untergeht

Jeden Tag

☐  Wasser und Snacks an den Stillplatz

☐  Baby einmal lange übernehmen

☐  Ihr eine Dusche ohne Eile ermöglichen

☐  Einen lieben Satz sagen, ganz ernst gemeint

Jede Woche

☐  Essen planen, vorkochen oder bestellen

☐  Einkauf, Drogerie und Apotheke

☐  Besuch abstimmen oder freundlich absagen

☐  Fragen, wie es ihr wirklich geht

8

Wenn es plötzlich schwer wird

Dein Notfallplan

Es wird Momente geben, in denen du nicht weißt, was jetzt richtig ist, und dafür habe ich dir einen kleinen Notfallplan zusammengestellt, aus all den Situationen, die ich selbst erlebt habe und die mir so viele andere Mamas erzählt haben.

✂ Wochenbett-Notfallplan

Sie ist völlig überfordert

Baby nehmen, Wasser hinstellen, Tür zu, Ruhe schenken.

Sie weint

Nicht nach dem Grund fragen, nicht lösen wollen. Einfach da sein und halten.

Sie hat Schmerzen

Schmerzmittel nach Absprache, Wärmekissen und Bescheid sagen an die Hebamme.

Das Stillen tut weh

Andere Stillposition, Brustwarzensalbe besorgen, bei Bedarf eine Stillberaterin anrufen.

Der Besuch wird zu viel

Du übernimmst und verabschiedest ihn freundlich. Sie muss nichts erklären.

Sie isst und trinkt kaum

Suppe, Tee und kleine Snacks immer wieder anbieten, ohne Druck.

Bei Fieber, starken Blutungen oder wenn sie sich hoffnungslos fühlt: bitte sofort Hebamme, Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anrufen, im Notfall die 112.

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Für die Zeit, wenn der Alltag zurückkommt

Ein Geschenk für euch beide

Irgendwann ist das Wochenbett vorbei, der Alltag klopft wieder an, und viele Paare merken dann, wie sehr ihre Abende zwischen Wäsche, Aufräumen und Suchen verschwinden, und wie wenig Zeit am Ende noch für sie beide übrig bleibt.

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Füllt ihn am besten zusammen aus: In ein paar Minuten seht ihr, wie viele Stunden im Jahr euch im Familienalltag verloren gehen, welcher Chaos-Typ ihr seid und mit welchem ersten kleinen Schritt ihr euch ein Stück eurer Abende zurückholt.

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Nur da

Du musst nicht perfekt sein

Euer Wochenbett muss nicht aussehen wie auf Instagram, es darf chaotisch sein, roh, laut und manchmal auch ziemlich unromantisch, mit Pizza um Mitternacht, ungewaschenen Haaren und Tränen, die keiner so richtig erklären kann, und genau in diesem Chaos können zwei Menschen enger zusammenwachsen, als sie es je für möglich gehalten hätten.

Du musst nicht alles wissen und nicht alles richtig machen, sie wird sich später nicht daran erinnern, ob die Wäsche gefaltet war, aber sie wird sich ihr Leben lang daran erinnern, wie du sie in diesen Wochen angesehen hast, ob sie sich gehalten gefühlt hat und ob du da warst, als sie dich gebraucht hat.

~ ❀ ~

Von einer Mama, die weiß, wie viel du gerade bedeutest,

deine Alin 💛

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