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Ganzheitlich und ehrlich
Sanfte Wege, deinen Körper auf die Geburt einzuladen, mit Herz, mit altem Frauenwissen und mit dem, was Studien heute dazu sagen.
Neun Tage. So lange bin ich mit meinem ersten Kind über den Termin gegangen, und ich glaube, ich habe in diesen neun Tagen mehr Treppen gestiegen, mehr Datteln gegessen und mehr Himbeerblättertee getrunken als je zuvor in meinem Leben, während mein Handy ununterbrochen vibrierte, weil meine Mama, meine Schwiegermutter, meine Kolleginnen und gefühlt die halbe Nachbarschaft wissen wollten, ob sich denn jetzt endlich etwas tut, und jedes „Und? Noch nichts?“ hat sich ein kleines bisschen mehr angefühlt wie ein Vorwurf, als hätte ich etwas falsch gemacht, als wäre mein Körper zu langsam, zu träge, zu wenig.
Wenn du gerade in genau dieser Zeit steckst, schwer, müde, voller Vorfreude und gleichzeitig mit einem leisen Druck im Nacken, dann möchte ich dir heute erzählen, welche sanften Wege es gibt, deinen Körper auf die Geburt einzuladen, und zwar ganzheitlich, also mit Körper, Ernährung, Seele und Umgebung, und ganz ehrlich, mit dem, was ich selbst ausprobiert habe, und mit dem, was die Forschung dazu tatsächlich weiß.
Einladen statt erzwingen
Was „natürlich Wehen fördern“ wirklich bedeutet
Das Wichtigste vorweg, und ich hätte mir gewünscht, dass mir das damals jemand so deutlich gesagt hätte, die Geburt beginnt in einem fein abgestimmten Zusammenspiel zwischen deinem Körper und deinem Baby, und keine Tasse Tee, kein Spaziergang und keine Dattel der Welt kann einen Körper zur Geburt zwingen, der noch nicht so weit ist, und das ist auch gut so, denn dieses Zusammenspiel schützt euch beide.
Was wir tun können, ist, die Tür ein Stück weiter zu öffnen, unseren Körper zu unterstützen, Spannung loszulassen und eine Umgebung zu schaffen, in der sich Wehen gerne einstellen, und genau darum geht es in diesem Text, um Einladungen, nicht um Knöpfe, die man drückt.
Bitte zuerst lesen
Sprich alles vorher mit deiner Hebamme ab, die meisten Mittel sind erst ab dem Termin gedacht. Bei Blutungen, Fruchtwasserabgang oder weniger Kindsbewegungen melde dich sofort bei ihr oder in deiner Klinik.
Körper, Ernährung, Seele, Umgebung
Ganzheitlich heißt: alles hängt zusammen
Ich stelle mir die Zeit kurz vor der Geburt gern wie einen Garten vor, in dem eine Blüte aufgehen möchte, du kannst nicht an ihr ziehen, aber du kannst für Licht, Wärme, Wasser und Ruhe sorgen, und genauso gibt es vier Bereiche, in denen du deinem Körper etwas Gutes tun kannst.
Körper
Bewegung, Beckenkreise und aufrechte Haltungen, die deinem Baby helfen, tiefer zu rutschen.
Ernährung
Datteln und Tees, die seit Generationen von Frau zu Frau weitergegeben werden.
Seele
Loslassen, Vertrauen und Nähe, damit dein Wehenhormon Oxytocin fließen kann.
Umgebung
Wärme, Düfte, gedämpftes Licht und Menschen, bei denen du dich sicher fühlst.
Kleine Rituale für die Wartezeit: Datteln, Tee, Düfte, Wärme und ganz viel Ruhe.
Warum Stress Wehen bremsen kann
Die wichtigste Grundlage: innere Ruhe
Oxytocin ist das Hormon, das Wehen in Gang bringt und hält, und es ist ein ziemlich scheues Hormon, es fließt am liebsten dann, wenn wir uns sicher, geborgen und unbeobachtet fühlen, während Stresshormone wie Adrenalin genau das Gegenteil bewirken, was aus Sicht der Natur völlig sinnvoll ist, denn eine Frau, die sich in Gefahr fühlt, soll ihr Kind lieber nicht genau jetzt bekommen.
Das bedeutet nicht, dass du an einer späten Geburt selbst schuld bist, weil du nicht entspannt genug warst, so funktioniert es zum Glück nicht, aber es bedeutet, dass all die Nachrichten, all das Warten und all der Druck von außen dir nicht helfen, und dass es völlig in Ordnung ist, das Handy für ein paar Tage stummzuschalten und deinen Lieben zu sagen, dass du dich meldest, sobald es etwas zu erzählen gibt, genau das habe ich bei meinem zweiten Kind gemacht, und es war eine riesige Erleichterung.
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Dein Baby kennt seinen Geburtstag schon. Du darfst ihm vertrauen.
Spazieren, kreisen, aufrecht bleiben
Bewegung: sanfte Impulse für dein Becken
Ein ruhiger Spaziergang, vielleicht mit einem kleinen Anstieg oder ein paar Treppenstufen, bringt dein Becken in Bewegung und kann deinem Baby helfen, sich tiefer ins Becken zu schieben, und dasselbe gilt für Beckenkreise auf dem Gymnastikball oder ein paar sanfte Yoga-Übungen, oft reichen schon zehn Minuten am Tag, um Spannung zu lösen und dich wieder mit deinem Körper zu verbinden.
Was die Forschung sagt
Dass Spaziergänge die Geburt auslösen, ist nicht belegt. Gut untersucht ist aber, was Bewegung während der Geburt bewirkt: In einer großen Cochrane-Übersicht mit über 5.000 Frauen war die Eröffnungsphase bei aufrechter Haltung und Bewegung im Schnitt etwa 1 Stunde und 20 Minuten kürzer als im Liegen, und die Frauen bekamen seltener einen Kaiserschnitt oder eine PDA (Lawrence et al., 2013).
Mit der besten Studienlage
Datteln: das süße Hausmittel
Datteln waren für mich in den letzten Wochen so etwas wie ein tägliches kleines Ritual, sechs Stück am Nachmittag, mit einer Tasse Tee auf dem Sofa, und ich mochte den Gedanken, meinem Körper damit etwas Gutes zu tun, auch wenn ich damals noch gar nicht wusste, dass es dazu tatsächlich Studien gibt.
Was die Forschung sagt
In einer Studie aus Jordanien aßen Frauen in den letzten vier Wochen vor dem Termin etwa sechs Datteln am Tag. Bei ihnen setzten die Wehen häufiger von selbst ein (96 % gegenüber 79 %), der Muttermund war bei der Aufnahme in die Klinik weiter geöffnet und sie brauchten seltener wehenfördernde Medikamente (Al-Kuran et al., 2011). Die Frauen haben selbst entschieden, ob sie Datteln essen, deshalb ist das kein endgültiger Beweis. Eine spätere randomisierte Studie fand aber ebenfalls einen reiferen Muttermund (Kordi et al., 2014).
Wenn du Schwangerschaftsdiabetes hast, sprich bitte vorher mit deiner Hebamme oder Ärztin, denn sechs Datteln am Tag bringen ganz schön viel Zucker mit.
Himbeerblätter und Frauenmantel
Kräuter und Tees: altes Frauenwissen
Himbeerblättertee ist der Klassiker unter den Geburtsvorbereitungstees, und auch ich habe ihn abends als kleines Ritual getrunken, eine bis zwei Tassen am Tag, nicht mehr, denn mehr hilft hier nicht mehr, und die meisten Hebammen empfehlen ihn erst in den letzten Wochen, ab etwa der 36. Woche. Diesen Bio-Himbeerblättertee habe ich verwendet*.
Was die Forschung sagt
Himbeerblätter sollen die Gebärmutter kräftigen, nicht die Wehen auslösen. In einer randomisierten Studie mit 192 Frauen (Simpson et al., 2001) gab es keine Nebenwirkungen, die Geburt verlief aber nicht messbar anders als mit Placebo. Eine ältere Beobachtungsstudie (Parsons et al., 1999) fand weniger Eingriffe bei den Tee-Trinkerinnen, kann aber keinen Zusammenhang beweisen. Mein ehrliches Fazit: Als warmes Ritual wunderschön, als Wundermittel eher nicht.
Auch Frauenmanteltee* und Eisenkraut gehören zu den traditionellen Frauenkräutern, die ausgleichend und kräftigend wirken sollen, und auch wenn es dazu kaum Studien gibt, mag ich die Vorstellung, mich mit einem Kraut zu verbinden, das schon Generationen von Frauen vor mir durch diese Zeit begleitet hat, solange ich ehrlich mit mir bin, dass es eher die Seele wärmt als die Wehen auslöst.
Ehrlich eingeordnet
Homöopathie: feine Impulse
Viele Mamas schwören auf Globuli rund um die Geburt, und auch ich hatte damals ein kleines Set zu Hause, einfach weil es mir ein Gefühl von Sicherheit gegeben hat, zum Beispiel Pulsatilla* für Frauen, die sich nach Nähe sehnen, Caulophyllum*, das traditionell bei zögerlichem Muttermund eingesetzt wird, und Gelsemium* bei großer Aufregung und innerem Zittern.
Was die Forschung sagt
Eine Cochrane-Übersicht fand nicht genug Belege, um Homöopathie (Caulophyllum) zur Geburtseinleitung zu empfehlen (Smith, 2003). Wenn dir Globuli guttun, lass dich von einer erfahrenen Hebamme beraten, und verlass dich bitte nicht darauf, wenn eine medizinische Einleitung ansteht.
Für Körper und Gemüt
Düfte und Wärme
Düfte können unglaublich beruhigen, ein paar Tropfen Lavendel* oder Rose* im Diffuser* haben mir abends geholfen, runterzukommen, und für eine Bauchmassage verdünnst du ätherische Öle immer in einem Basisöl wie Mandel- oder Kokosöl. Muskatellersalbei* gilt als der klassische Wehenduft, er ist aber kräftig und gehört erst ab dem Termin und nach Rücksprache mit deiner Hebamme in den Diffuser.
Und dann ist da die Wärme, ein warmes Bad, eine Wärmflasche im Rücken, warme Socken, das klingt so banal, aber Wärme entspannt die Muskeln, beruhigt das Nervensystem und gibt deinem Körper das Gefühl, dass er loslassen darf, und genau dieses Loslassen ist so oft der Anfang von allem.
Ohne Druck
Nähe, Liebe und Oxytocin
Kuscheln, eine Massage, Lachen, Zärtlichkeit und, wenn es sich für euch beide gut anfühlt, auch Sex, all das kann Oxytocin fließen lassen und euch als Paar in dieser besonderen Zeit verbinden, und das allein ist schon ein guter Grund dafür, ganz egal, ob die Wehen danach kommen oder nicht.
Was die Forschung sagt
Ob Sex die Wehen auslöst, ist laut Cochrane-Übersicht unklar, weil es dazu bisher zu wenige gute Studien gibt (Kavanagh et al., 2001). Bei einem Blasensprung, Blutungen oder einer tiefliegenden Plazenta ist Sex tabu.
Und das ist okay
Wenn nichts passiert
Vielleicht trinkst du deinen Tee, isst deine Datteln, gehst spazieren und kreist auf dem Ball, und trotzdem passiert nichts, und ich möchte dir sagen, dass das nichts mit dir zu tun hat, du hast nichts falsch gemacht, dein Körper ist nicht kaputt, und dein Baby braucht vielleicht einfach noch ein bisschen Zeit.
Bei meinem ersten Kind kamen die Wehen am neunten Tag nach dem Termin, mitten in der Nacht, ganz von allein, und keines der Mittel, die ich ausprobiert hatte, konnte ich am Ende dafür verantwortlich machen, und genau deshalb glaube ich heute, dass das Wertvollste an all diesen Ritualen gar nicht ihre Wirkung auf die Wehen ist, sondern dass sie uns helfen, die Wartezeit liebevoll zu füllen, statt sie gegen uns selbst zu richten. Und wenn eine Einleitung in der Klinik nötig wird, ist das kein Versagen, sondern eine gute Entscheidung für dich und dein Baby.
Ein Geschenk von mir
Für die Zeit danach
Kostenlos für dich
Der Mama Zeitrechner
Wenn dein Baby da ist, verschwinden die Tage schneller zwischen Stillen, Wäsche und Hinterherräumen, als du denkst. Mit ein paar Minuten und einem Stift siehst du, wie viele Stunden im Jahr dir im Familienalltag verloren gehen, welcher Chaos-Typ du bist und mit welchem ersten kleinen Schritt du dir ein Stück deiner Abende zurückholst.
Ich wünsche dir, dass du die letzten Tage deiner Schwangerschaft nicht nur als Warten erlebst, sondern auch als die letzten ruhigen Momente zu zweit, mit deinem Baby ganz nah unter deinem Herzen, und dass du dir erlaubst, ganz in deinem Tempo bei dir zu bleiben, bis es so weit ist.
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Von Mama zu Mama, von Herzen,
deine Alin 💛
Quellen
Al-Kuran O. et al. (2011): The effect of late pregnancy consumption of date fruit on labour and delivery. J Obstet Gynaecol 31(1):29–31.
Kordi M. et al. (2014): The effect of late pregnancy consumption of date fruit on cervical ripening in nulliparous women. Journal of Midwifery and Reproductive Health.
Lawrence A. et al. (2013): Maternal positions and mobility during first stage labour. Cochrane Database Syst Rev, CD003934.
Simpson M. et al. (2001): Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor. J Midwifery Womens Health 46(2):51–59.
Parsons M. et al. (1999): Raspberry leaf and its effect on labour: safety and efficacy. Australian College of Midwives Journal.
Kavanagh J. et al. (2001): Sexual intercourse for cervical ripening and induction of labour. Cochrane Database Syst Rev, CD003093.
Smith C.A. (2003): Homoeopathy for induction of labour. Cochrane Database Syst Rev, CD003399.
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