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Spielen mit allen Sinnen
Zehn einfache Sinnesspiele für Kleinkinder und Kindergartenkinder, die Wahrnehmung, Ruhe und Selbstvertrauen ganz natürlich wachsen lassen, mit Dingen, die du größtenteils schon zu Hause hast.
Es gibt diese Nachmittage, an denen einfach nichts funktioniert, an denen die Kinder durch die Wohnung toben, sich um jedes Spielzeug streiten, alles anfassen, was sie nicht sollen, und ich irgendwann mitten im Wohnzimmer stehe und mich frage, wo eigentlich meine Geduld geblieben ist, und genau an so einem Nachmittag habe ich, mehr aus Verzweiflung als aus pädagogischer Überzeugung, eine große Schüssel mit Wasser, ein paar Becher und einen Schwamm auf ein Handtuch auf den Boden gestellt.
Was dann passiert ist, hat mich ehrlich verblüfft, denn mein Kleiner hat sich hingesetzt, die Ärmel hochgeschoben und eine halbe Stunde lang Wasser von einem Becher in den nächsten geschüttet, ganz ruhig, ganz konzentriert, mit diesem leisen Summen, das er nur macht, wenn er wirklich bei sich ist, und ich saß daneben auf dem Sofa, habe meinen Tee getrunken und gemerkt, wie auch in mir etwas ruhiger wurde.
Seitdem weiß ich, dass hinter dem Toben und Quengeln oft gar keine Langeweile steckt, sondern ein Kind, das etwas spüren möchte, mit den Händen, mit den Füßen, mit der Nase und den Ohren, und dass Kinder ihre Welt nicht über den Kopf begreifen, sondern über den ganzen Körper, und genau darum geht es bei Sinnesspielen.
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Mit allen Sinnen wachsen
Warum Sinnesspiele für Kinder so wertvoll sind
Kinder lernen nicht, indem wir ihnen etwas erklären, sie lernen, indem sie anfassen, schmecken, riechen, lauschen und ausprobieren, und jede neue Erfahrung, die über die Sinne kommt, hilft ihnen dabei, sich selbst und ihre Umgebung ein bisschen besser zu verstehen, und das ist ein Gedanke, der mir in der ganzheitlichen Pädagogik, bei Maria Montessori genauso wie in der Waldorfpädagogik, immer wieder begegnet ist.
Was mich daran so berührt, ist, wie wenig es dafür braucht, denn ein Kind, das barfuß über Moos läuft, eine Kastanie in der Hand dreht oder an einem Zimtstab schnuppert, macht in diesem Moment etwas sehr Wichtiges, es kommt bei sich an, in seinem Körper, im Hier und Jetzt, und das ist in einer Welt voller Bildschirme und Termine etwas unglaublich Kostbares.
Wahrnehmung
den eigenen Körper und die Umgebung bewusst spüren
Konzentration
ganz in einer Sache versinken dürfen
Feinmotorik
kleine Hände werden geschickter
Sprache
neue Wörter für das, was man fühlt
Ruhe
Sinnesreize, die erden statt überfordern
Selbstvertrauen
„Das habe ich allein herausgefunden!“
Und das Schönste ist, dass Sinnesspiele nicht nur die Kinder runterbringen, sondern oft auch uns Mamas, denn wenn das Kind vertieft spielt, entsteht auch für dich ein kleiner Moment zum Durchatmen, und genau deshalb habe ich dir hier meine zehn liebsten Sinnesspiele zusammengestellt.
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Unsere Lieblinge
10 Sinnesspiele, die bei uns immer wieder funktionieren
Tastsinn · ab 2 Jahren
Die Fühlbox
In eine Schachtel mit einem Loch im Deckel oder einen Stoffbeutel kommen verschiedene Dinge, eine Kastanie, ein Löffel, ein Stück Fell, ein Tannenzapfen, ein Bauklotz, und dein Kind darf hineingreifen und raten, was es da gerade in der Hand hält, ohne hineinzuschauen.
Ich liebe dieses Spiel, weil die Kinder dabei so genau hinspüren, die Augen manchmal sogar schließen und nach Worten suchen, „das ist rau und kalt und hat eine Spitze“, und weil man es mit Naturschätzen vom letzten Spaziergang immer wieder neu füllen kann. Wer es schön haben möchte, findet hier eine liebevoll gemachte Fühlbox aus Holz*.
Das stärkt: Tastsinn, Konzentration, Fantasie und Sprache
Mein Tipp: Fangt mit drei sehr unterschiedlichen Dingen an und steigert euch langsam, so bleibt das Erfolgserlebnis groß.
Körperwahrnehmung · ab 1 Jahr
Sensorikbälle
Weiche Bälle mit Noppen, Rillen und unterschiedlichen Oberflächen sind für mich ein kleines Wundermittel an unruhigen Abenden, denn man kann sie in den Händen drücken, über den Boden rollen oder ganz langsam über Arme, Rücken und Füße des Kindes rollen, wie eine kleine Massage.
Gerade vor dem Schlafengehen ist das bei uns ein schönes Ritual geworden, das Kind liegt auf dem Bauch, ich rolle den Ball sanft den Rücken hinauf und hinunter, und oft wird es dabei ganz still. Unsere Sensorikbälle* liegen deshalb immer griffbereit im Körbchen neben dem Bett.
Das stärkt: Körperwahrnehmung, Handmotorik, Koordination und Entspannung
Mein Tipp: Erzähl dabei eine kleine Geschichte, zum Beispiel von einem Igel, der über den Rücken spaziert.
Tastsinn · ab 3 Jahren
Kinetic Sand
Dieser besondere Spielsand fühlt sich an wie nasser Strandsand, klebt aber nicht an den Händen und lässt sich wunderbar formen, ausstechen, schneiden und wieder zerdrücken, und das Beste ist, dass er auch drinnen kein Chaos anrichtet, wenn er in einer großen Kiste oder auf einem Tablett bleibt.
Ich merke bei meinen Kindern immer wieder, wie beruhigend dieses Durch-die-Finger-rieseln-lassen ist, fast wie Meditation für kleine Hände, und an Regentagen ist unser Kinetic-Sand-Set* mein heimlicher Retter.
Das stärkt: Feinmotorik, Kreativität, Konzentration und taktile Wahrnehmung
Mein Tipp: Stell eine flache Kiste auf ein großes Tuch, dann musst du hinterher nur das Tuch ausschütteln.
Tastsinn und Denken · ab 1 Jahr
Montessori Busy Board
Ein Busy Board ist ein Holzbrett mit Reißverschlüssen, Schaltern, Riegeln, Knöpfen und Zahnrädern, also genau mit all den Dingen, die Kinder im Alltag sowieso faszinieren und die sie sonst nicht anfassen dürfen.
Hier dürfen sie ganz in ihrem eigenen Tempo ausprobieren, wie etwas funktioniert, und ganz im Sinne von Maria Montessori geht es dabei nicht darum, dass wir es ihnen zeigen, sondern darum, dass sie es selbst herausfinden. Unser Busy Board* war über Monate das beliebteste Spielzeug im Haus.
Das stärkt: Problemlösen, Feinmotorik, Konzentration und Selbstständigkeit
Mein Tipp: Halte dich bewusst zurück und lass dein Kind tüfteln, auch wenn es ein paar Versuche braucht.
Hörsinn · ab 2 Jahren
Geräusche erkennen
Wie klingt Regen, wie klingt ein Hund, und wie klingt es, wenn Reis in einer Dose geschüttelt wird, all das kann man mit Kindern wunderbar erraten, zum Beispiel mit selbst gefüllten Döschen mit Reis, Linsen, Knöpfen oder Sand, von denen immer zwei gleich klingen.
Wer es fertig mag, findet hier ein schönes Hör-Memory, mit diesem Spiel* haben wir viele gemütliche Nachmittage verbracht, und draußen könnt ihr einfach die Augen schließen und lauschen, was ihr alles hört, Vögel, Wind, ein Auto, die Schritte von anderen Menschen.
Das stärkt: Hörverständnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Sprache
Mein Tipp: Macht eine „Geräusche-Jagd“ beim Spaziergang und zählt, wie viele verschiedene Geräusche ihr findet.
Tastsinn · ab 2 Jahren
Kneten und Formen
Rollen, drücken, kneten, Würste formen und wieder zusammenpatschen, Knete gehört für mich zu den schönsten Sinnesspielen überhaupt, weil sie die Hände kräftigt, die Fantasie anregt und Kinder dabei oft wunderbar zur Ruhe kommen.
Wir haben eine bunte Knete mit Förmchen*, und ich mache ab und zu auch selbst Knete aus Mehl, Salz, Öl und Wasser, mit ein paar Tropfen ätherischem Lavendelöl, dann wird das Kneten gleich noch ein bisschen mehr zum Wohlfühlmoment.
Das stärkt: Feinmotorik, Handkraft, Kreativität und Konzentration
Mein Tipp: Lass dein Kind beim Selbermachen der Knete mithelfen, das ist schon das halbe Spiel.
Körperwahrnehmung und Gleichgewicht · ab 1 Jahr
Barfußparcours
Barfußlaufen ist für mich eines der natürlichsten Dinge der Welt, und ich finde es so schade, dass Kinderfüße heute fast immer in Schuhen stecken, dabei sind die Fußsohlen voller Nervenenden, die so viel spüren wollen.
Für einen Barfußparcours braucht ihr nur ein paar flache Kisten oder Tücher mit Sand, Kieselsteinen, Moos, Reis, Gras, Kastanien oder einem flauschigen Handtuch, und für drinnen haben wir uns diese Barfußmatten* geholt, die man immer wieder neu zusammenlegen kann.
Das stärkt: Körperwahrnehmung, Gleichgewichtssinn, Tastsinn und Fußmuskulatur
Mein Tipp: Mit geschlossenen Augen und an der Hand von Mama wird der Parcours noch einmal ganz neu spannend.
Geruchssinn · ab 3 Jahren
Riechspiel mit Gewürzen
In kleine Dosen oder Gläschen kommen Zimt, Vanille, Kakao, eine Orangenschale, frische Minze oder Lavendel, und dein Kind darf schnuppern und raten, und es ist jedes Mal wieder so schön zu sehen, wie sich das Gesicht verändert, wenn es plötzlich „Weihnachten!“ ruft.
Ich mag dieses Spiel auch deshalb so, weil es Kinder ganz natürlich an Kräuter und Gewürze heranführt, die wir dann gemeinsam beim Kochen und Backen verwenden, und weil Düfte so eng mit Erinnerungen und Gefühlen verbunden sind.
Das stärkt: Geruchssinn, Konzentration, Gedächtnis und Sprache
Mein Tipp: Klebt ein kleines Bild unter jede Dose, so kann dein Kind seine Antwort selbst überprüfen.
Sehsinn · ab 2 Jahren
Farben sortieren
Knöpfe, Pompons, Bauklötze, Perlen oder Herbstblätter nach Farben in Schälchen oder in die Mulden eines Muffinblechs sortieren klingt erst einmal unspektakulär, aber kleine Kinder lieben dieses Ordnen und können sich erstaunlich lange darin vertiefen.
Bei uns gibt es dafür einfach eine Schale mit allem Bunten, was sich so ansammelt, und ein paar Schüsselchen, und für die Größeren nehme ich eine Holzpinzette oder einen Löffel dazu, dann wird es gleich noch ein bisschen kniffliger.
Das stärkt: Farberkennung, logisches Denken, Feinmotorik und Ruhe
Mein Tipp: Kleine Teile wie Perlen und Knöpfe bitte nur, wenn du daneben sitzt und nichts mehr im Mund landet.
alle Sinne · ab 1 Jahr
Wasserspiel zum Experimentieren
Und damit wären wir wieder bei meinem Anfang, denn Wasser ist für mich das Sinnesspiel schlechthin, eine Schüssel, ein paar Becher, Löffel, ein Schwamm, ein Trichter, ein kleines Boot, und schon wird geschöpft, gegossen, getropft und gestaunt.
Ihr könnt das Wasser mit ein paar Blüten oder Blättern verzaubern, mit etwas Lebensmittelfarbe einfärben oder Eiswürfel hineinlegen, und wer etwas ganz Besonderes ausprobieren möchte, findet hier ein magisches Wassergel-Set*, mit dem die Kinder kleine Figuren aus Wasser zaubern.
Das stärkt: Koordination, Feinmotorik, Neugier und Experimentierfreude
Mein Tipp: Ein großes Handtuch unter der Schüssel und eine alte Kleidung, dann darfst du ganz entspannt zuschauen.
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Ohne Druck
Meine Tipps für entspannte Sinnesspiele
Ich möchte dir zum Schluss noch etwas mitgeben, das mir selbst viel Druck genommen hat, nämlich dass Sinnesspiele kein Programm sind, das du jeden Tag abarbeiten musst, sondern eher eine Einladung, die du deinem Kind hinlegst, und dann darfst du einfach schauen, was passiert.
✓ Weniger ist mehr: Ein einziges Angebot auf dem Tisch ist oft spannender als ein volles Spielzimmer.
✓ Natur zuerst: Kastanien, Steine, Moos, Wasser und Sand sind die schönsten Sinnesmaterialien, und sie kosten nichts.
✓ Zuschauen statt anleiten: Dein Kind darf selbst entscheiden, was es mit dem Material macht, auch wenn es ganz anders ist als gedacht.
✓ Schmutz einplanen: Ein Handtuch, eine Unterlage oder einfach draußen spielen, dann bleibst du entspannt.
✓ Abwechseln: Stell ein Spiel nach ein paar Tagen weg und hol es später wieder hervor, dann wird es neu entdeckt.
Und wenn heute einfach nichts davon klappt, wenn dein Kind nach zwei Minuten keine Lust mehr hat oder der Sand im ganzen Flur verteilt ist, dann ist das kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst, sondern einfach ein ganz normaler Tag mit Kindern, und morgen ist wieder ein neuer.
Für mich sind diese kleinen Sinnesmomente zu Inseln im Alltag geworden, für die Kinder und für mich, und ich wünsche dir von Herzen, dass auch ihr ein paar davon findet.
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Damit für solche Momente überhaupt Zeit bleibt: In ein paar Minuten siehst du, wie viele Stunden im Jahr dir zwischen Suchen, Hinterherräumen und Kopfchaos verloren gehen, und mit welchem ersten kleinen Schritt du sie dir zurückholst.
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Von Mama zu Mama, von Herzen,
deine Alin 💜
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