Ein Brief für dich · von Alin
für alle Mamas, deren Herz gerade für zwei schlägt
Liebe werdende Mama,
vielleicht liegst du gerade im Bett, eine Hand auf deinem Bauch, das Handy in der anderen, und eigentlich wolltest du nur kurz nachlesen, ob dieses Ziehen in der Leiste normal ist, und jetzt ist es schon wieder halb zwölf und du bist durch drei Foren, zwei Geburtsberichte und eine Liste mit Dingen gescrollt, die man angeblich unbedingt vor der Geburt erledigt haben muss, und irgendwo dazwischen hat sich dieses Gefühl eingeschlichen, das du niemandem so richtig erklären kannst, weil doch alle von dir erwarten, dass du dich einfach nur freust.
Ich kenne diese Nächte. Ich weiß noch genau, wie ich in meiner ersten Schwangerschaft wach lag, neben mir ein schlafender Partner, im Bauch dieses kleine flatternde Wesen, und wie ich gleichzeitig so unendlich glücklich und so unendlich ängstlich war, dass ich mir manchmal selbst nicht mehr getraut habe, weil ich dachte, eine richtige Mama müsste sich doch sicherer fühlen, klarer, irgendwie bereiter.
Deshalb schreibe ich dir diesen Brief, nicht als Expertin, nicht als Hebamme und auch nicht als jemand, der alles richtig gemacht hat, sondern als Mama von zwei Kindern, die beide Schwangerschaften mit sehr unterschiedlichen Gefühlen erlebt hat und die sich damals so sehr gewünscht hätte, dass ihr jemand einfach sagt, dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Mit dir ist alles in Ordnung.
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Du musst dich nicht jeden Tag freuen
Es gibt dieses Bild von Schwangerschaft, das uns überall begegnet, in der Werbung, auf Instagram, in den Glückwunschkarten, auf denen goldene Herzchen glitzern, und auf diesem Bild strahlt die werdende Mama, streichelt versonnen ihren runden Bauch und schwebt neun Monate lang auf einer weichen Wolke aus Vorfreude, und wenn du dich dann morgens über die Toilettenschüssel beugst oder abends weinst, ohne zu wissen warum, fühlt es sich an, als hättest du bei einer Prüfung versagt, von der dir niemand gesagt hat, dass sie überhaupt stattfindet.
Dabei ist eine Schwangerschaft so viel mehr als ein Glückszustand, sie ist ein riesiger Umbau, in deinem Körper, in deinem Kopf, in deiner Partnerschaft und in deinem ganzen Leben, und es wäre doch eigentlich seltsam, wenn so ein Umbau ohne Staub, ohne Lärm und ohne die eine oder andere schlaflose Nacht vonstattengehen würde.
Du darfst dich freuen und gleichzeitig Angst haben, du darfst dich auf dein Baby sehnen und trotzdem um dein altes Leben trauern, du darfst dankbar sein und an manchen Tagen einfach nur erschöpft, und keines dieser Gefühle nimmt dem anderen etwas weg, denn sie dürfen alle nebeneinander in dir wohnen, so wie Sonne und Regen am selben Nachmittag.
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Was dein Kopf nachts flüstert
Es gibt diese Sätze, die sich besonders gern dann melden, wenn das Licht aus ist und das Haus still wird, und vielleicht erkennst du den einen oder anderen wieder, so wie ich sie fast alle wiedererkannt habe, als ich sie irgendwann einmal aufgeschrieben habe, um sie mir bei Tageslicht anzuschauen.
Ich habe gelernt, dass diese Sätze nicht weggehen, wenn ich sie wegschiebe, aber dass sie leiser werden, wenn ich ihnen freundlich antworte, so wie ich später meinen Kindern antworten würde, wenn sie nachts mit einem bösen Traum an meinem Bett stehen, nicht mit einem genervten „Das ist doch Quatsch“, sondern mit einem ruhigen „Ich weiß, dass sich das gerade groß anfühlt, und ich bin da“.
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Du musst nicht stark sein, du darfst ehrlich sein
Viele von uns haben irgendwann gelernt, dass man sich zusammenreißt, dass man nicht jammert und dass man vor allem niemandem zur Last fällt, und in der Schwangerschaft wird dieses alte Muster oft besonders laut, weil wir glauben, wir müssten jetzt beweisen, dass wir dieser neuen Verantwortung gewachsen sind, und weil wir niemanden beunruhigen wollen, am wenigsten uns selbst.
Aber ehrlich zu sein, erst einmal zu dir selbst und dann vielleicht auch zu deinem Partner, deiner Hebamme oder einer guten Freundin, ist nicht das Gegenteil von Stärke, sondern vielleicht die mutigste Form davon, denn es braucht viel mehr Kraft zu sagen, dass man gerade nicht weiterweiß, als lächelnd zu behaupten, dass alles wunderbar ist.
Ich erinnere mich an einen Termin bei meiner Hebamme, bei dem ich eigentlich nur über die Lage des Babys sprechen wollte und dann plötzlich, mitten im Satz, angefangen habe zu weinen, und statt mich zu beruhigen oder mir Tipps zu geben, hat sie einfach ihren Kugelschreiber weggelegt und gewartet, bis ich fertig war, und dann gesagt, dass das das Gesündeste war, was ich in den letzten Wochen getan habe, und ich glaube, ich habe in diesem Moment zum ersten Mal verstanden, dass ich nicht alles allein tragen muss.
Postkarte an dich
Ehrlich zu sein ist kein Zusammenbrechen. Es ist der Moment, in dem du anfängst, dich selbst zu halten.
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Dein Körper ist kein Rätsel, er ist ein Wunder
Wir leben in einer Zeit, in der wir so viel messen, kontrollieren und vergleichen können wie nie zuvor, Schwangerschaftswochen in Apps, Größenvergleiche mit Obstsorten, Werte, Kurven und Perzentilen, und all das kann beruhigen, aber es kann uns auch das Gefühl geben, dass unser Körper eine Art Maschine ist, die ständig überwacht werden muss, damit sie nicht etwas falsch macht.
Dabei weiß dein Körper gerade Dinge, die kein Buch dir beibringen könnte, er baut in diesem Moment ein Herz, kleine Finger, Wimpern und eine Stimme, die dich irgendwann Mama nennen wird, und er tut das, ohne dass du nachts aufstehen und ihm Anweisungen geben musst, er tut es einfach, ganz still, Tag für Tag, während du einkaufst, arbeitest, schläfst oder auf dem Sofa sitzt und dich fragst, ob du genug tust.
Natürlich gehören Vorsorge und ärztliche Begleitung dazu, und natürlich darfst du alles abklären lassen, was dich beunruhigt, aber vielleicht magst du deinen Körper zwischen all den Terminen auch einmal nicht als Problem betrachten, sondern als Partner, der mit dir zusammen an etwas ganz Großem arbeitet und der es verdient hat, dass du ihm ein bisschen vertraust.
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Es ist okay, nicht alles zu wissen
In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich einen ganzen Stapel Bücher neben dem Bett liegen, und ich habe sie gelesen wie für eine Abschlussprüfung, mit Markierungen und Eselsohren, weil ich dachte, wenn ich nur genug weiß, kann mich nichts mehr überraschen, und das Ergebnis war nicht etwa mehr Ruhe, sondern noch mehr Fragen, noch mehr Szenarien und noch mehr Dinge, vor denen ich plötzlich Angst hatte, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
In meiner zweiten Schwangerschaft habe ich fast nichts gelesen, und ich will damit nicht sagen, dass Wissen schlecht ist, ganz im Gegenteil, aber ich habe gemerkt, dass es einen Punkt gibt, an dem Information aufhört zu stärken und anfängt zu überfluten, und dass dieser Punkt bei vielen von uns viel früher erreicht ist, als wir denken.
Eine Schwangerschaft ist keine Prüfung, die du bestehen musst, sondern ein Weg, den du Schritt für Schritt gehst, und auf diesem Weg darfst du manche Fragen einfach offenlassen, weil die Antworten erst kommen, wenn du an der richtigen Stelle angekommen bist, und nicht früher.
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Sanft vorbereiten, statt dich zu überfordern
Wenn du dich vorbereiten möchtest, und das ist ein wunderschöner Wunsch, dann darf diese Vorbereitung sich weich anfühlen und nicht wie eine zweite Arbeitsstelle, und vielleicht helfen dir dabei die vier kleinen Dinge, die mir in meiner zweiten Schwangerschaft so viel mehr gebracht haben als jeder Bücherstapel.
Kleine Portionen
Lieber ein Thema pro Woche in Ruhe verstehen, als jeden Abend alles auf einmal.
Deinen Körper spüren
Ein paar Minuten am Tag nur atmen, die Hand auf dem Bauch, ohne Ziel und ohne App.
Deine Menschen
Überlege, wer dich wirklich stärkt, und wem du lieber erst nach der Geburt wieder ausführlich erzählst.
Deine Wünsche
Schreib auf, was dir für die Geburt und die Zeit danach wichtig ist, und nicht, was andere erwarten.
Keine dieser Sachen muss perfekt sein, und keine davon musst du abhaken, sie sind nur kleine Einladungen, dich selbst in all dem Trubel nicht zu verlieren, und wenn du an manchen Tagen gar nichts davon schaffst, dann ist das auch eine Form von Vorbereitung, nämlich die Übung, nachsichtig mit dir zu sein, die du später als Mama jeden einzelnen Tag brauchen wirst.
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Geburt beginnt nicht erst im Kreißsaal
Ich glaube heute, dass eine Geburt nicht in dem Moment beginnt, in dem die erste Wehe kommt oder die Fruchtblase platzt, sondern schon viel früher, in all den kleinen Momenten, in denen du lernst, dir selbst zuzuhören, deinen Gefühlen Raum zu geben und dich nicht von jeder Geschichte, die dir jemand ungefragt erzählt, aus der Bahn werfen zu lassen.
Jede Mama, die dir von ihrer schlimmen Geburt erzählt, erzählt dir von ihrer Geburt und nicht von deiner, und du darfst freundlich, aber bestimmt sagen, dass du solche Geschichten gerade lieber nicht hören möchtest, denn du bist nicht verpflichtet, die Ängste anderer Menschen mit in deinen Kreißsaal zu nehmen.
Vertrauen in deine Geburt bedeutet übrigens nicht, dass alles nach Plan verlaufen muss, es bedeutet vielmehr, dass du dir zutraust, mit dem umzugehen, was kommt, und dass du weißt, dass du gut begleitet bist, egal ob dein Kind am Ende in der Wanne, im Geburtsbett oder per Kaiserschnitt zur Welt kommt, denn jede dieser Geburten ist eine richtige Geburt und jede dieser Mamas hat etwas Großes geschafft.
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Du bist nicht allein, auch wenn es sich so anfühlt
Manchmal ist das Einsamste an einer Schwangerschaft gar nicht das Alleinsein, sondern das Gefühl, mit seinen Gedanken allein zu sein, mitten unter Menschen, die sich alle für dich freuen und die du nicht enttäuschen möchtest, indem du ihnen sagst, wie es wirklich in dir aussieht.
Aber da draußen sind so viele Frauen, die gerade genau dasselbe fühlen wie du, die nachts wach liegen, die sich vergleichen, die Angst haben und gleichzeitig vor Liebe fast platzen, und wenn du dir eine Begleitung wünschst, die dich auf diesem Weg sanft an die Hand nimmt, dann ist das kein Zeichen dafür, dass du es allein nicht schaffst, sondern dafür, dass du gut für dich sorgst.
Wenn du dir Begleitung wünschst
Genau aus diesem Gedanken heraus gibt es CleverMom*, eine sanfte Unterstützung für Mamas, die ihren Weg in der Schwangerschaft bewusst und mit mehr Vertrauen gehen möchten. Wenn du spürst, dass dir so eine Begleitung guttun würde, darfst du dich in deinem Tempo umschauen, und wenn nicht, ist das genauso richtig.
*Affiliate-Link: Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.
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Ein kleiner Gedanke für später
Und weil ich weiß, wie schnell die Zeit nach der Geburt verfliegt, wie sich Tage plötzlich nur noch aus Stillen, Wickeln, Wäsche und dem verzweifelten Versuch zusammensetzen, wenigstens einmal einen warmen Kaffee zu trinken, möchte ich dir noch etwas mitgeben, das du jetzt vielleicht noch nicht brauchst, aber das dir später einmal helfen könnte, deine Abende ein Stück weit zurückzuholen.
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Mein Geschenk an dich
Der Mama Zeitrechner
Mit ein paar Minuten und einem Stift siehst du schwarz auf weiß, wie viele Stunden im Jahr dir im Familienalltag zwischen Suchen, Hinterherräumen und Kopfchaos verloren gehen, welcher Chaos-Typ du bist und mit welchem ersten kleinen Schritt du dir Zeit zurückholst. Leg ihn dir jetzt schon zur Seite, für die Wochen, in denen dein Baby da ist und du jede ruhige Minute doppelt zu schätzen weißt. Kostenlos und ohne Verpflichtung.
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Du darfst deinen eigenen Weg gehen
Es wird in den nächsten Wochen und Monaten so viele Menschen geben, die dir sagen, wie man es richtig macht, wie man stillt, wie man schläft, wie man gebärt, wie man ein Kind erzieht, und viele davon meinen es wirklich gut, aber niemand von ihnen steckt in deinem Körper, in deiner Geschichte und in deinem Herzen, und deshalb kann auch niemand von ihnen wissen, was für dich und dein Baby der richtige Weg ist.
Du darfst zuhören und dir das herausnehmen, was sich gut anfühlt, und den Rest freundlich liegen lassen, du darfst deine Meinung ändern, du darfst Pläne machen und sie wieder verwerfen, und du darfst eines Tages auf deine Schwangerschaft zurückschauen und sagen, dass sie nicht perfekt war, aber deine.
Postkarte an dich
Es gibt nicht den einen richtigen Weg, Mama zu werden. Es gibt nur deinen, und der ist genau richtig.
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Ein leiser Gedanke zum Schluss
Wenn du heute Abend das Licht ausmachst und sich die Gedanken wieder melden, dann leg vielleicht einfach deine Hand auf deinen Bauch und erinnere dich daran, dass dein Kind dich nicht perfekt braucht, sondern genau so, wie du bist, mit deinen Zweifeln, deiner Müdigkeit, deinen Tränen und dieser riesigen Liebe, die gerade in dir wächst, auch an den Tagen, an denen du sie nicht spürst.
Du machst das gut, viel besser, als du gerade glaubst, und ich wünsche dir von Herzen, dass du dir ab und zu selbst ein bisschen von der Zärtlichkeit schenkst, die du so selbstverständlich für dein Baby bereithältst.
Von Mama zu Mama, in Liebe,
deine Alin
P.S. Wenn dir dieser Brief gutgetan hat, dann schick ihn doch einer Freundin, die gerade auch schwanger ist. Manchmal ist ein „Ich hab an dich gedacht“ das schönste Geschenk, das man einer werdenden Mama machen kann. 💛

