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Meine Reise nach innen

Wie ich gelernt habe, meiner Angst zuzuhören, statt gegen sie zu kämpfen, und was davon bis heute geblieben ist.

Es war kurz nach Mitternacht, irgendwo zwischen zwei Wehen, als ich auf dem Rand der Badewanne im Kreißsaal saß, die Stirn an die kühlen Fliesen gelehnt, und merkte, wie die Angst in mir hochkroch, diese alte, vertraute Angst, dass ich das nicht schaffe, dass es zu viel wird, dass ich gleich die Kontrolle verliere, und in genau diesem Moment, mitten im Sturm, ist etwas passiert, das ich ein paar Monate vorher noch für unmöglich gehalten hätte, ich habe die Augen geschlossen, ausgeatmet und mir innerlich gesagt, dass ich nicht gegen diese Welle kämpfen muss, sondern auf ihr reiten darf.

Diese Geburt war nicht leicht, sie war lang und anstrengend und an manchen Stellen ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte, aber ich war bei mir, die ganze Zeit, und das war für mich das größte Geschenk, das ich mir in dieser Schwangerschaft selbst gemacht habe.

Wie ich dorthin gekommen bin, möchte ich dir heute erzählen, weil ich weiß, wie viele Frauen gerade mit derselben Angst kämpfen, die ich damals hatte, und weil ich mir so sehr wünsche, dass du weißt, dass es einen sanfteren Weg gibt, als die Zähne zusammenzubeißen und zu hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird.

1

Wissen allein reichte nicht

Der leise Beginn meiner Reise nach innen

Am Anfang habe ich mich so vorbereitet, wie man sich eben vorbereitet, ich habe gelernt, was bei einer Geburt passiert, welche Phasen es gibt, wie lange sie dauern und was im Notfall getan wird, und ich habe Geburtsberichte gelesen, in der Hoffnung, dass sie mich beruhigen, aber die meisten haben genau das Gegenteil bewirkt.

Irgendwann ist mir klar geworden, dass mir nicht das Wissen fehlt, ich wusste genug, viel zu viel sogar, mir fehlte etwas ganz anderes, nämlich die Antwort auf die Frage, wie ich mich während der Geburt fühlen möchte, und die Antwort war eigentlich ganz einfach, ich wollte mich sicher fühlen, gehalten und verbunden mit mir selbst, und ich hatte keine Ahnung, wie ich da hinkommen sollte.

2

Ein Begriff, der leise anklopfte

Mentale Geburtsvorbereitung, was soll das sein?

Als ich das erste Mal von mentaler Geburtsvorbereitung gehört habe, war ich ehrlich gesagt skeptisch, ich hatte Bilder von Affirmationskarten und Räucherstäbchen im Kopf, von Frauen, die lächelnd und schmerzfrei ihre Kinder gebären, weil sie nur fest genug daran geglaubt haben, und ich bin einfach nicht der Typ, der sich Dinge schönredet oder seine Gefühle mit positiven Sätzen überklebt.

Was ich dann aber gefunden habe, war etwas völlig anderes, es ging nicht darum, die Angst wegzudenken, sondern darum, ihr zuzuhören, sie ernst zu nehmen und ihr nach und nach einen anderen Platz zu geben, nicht mehr am Steuer, sondern irgendwo auf dem Rücksitz, wo sie zwar mitfahren darf, aber nicht mehr bestimmt, wohin die Reise geht.

~ ❀ ~

Es ging nie darum, keine Angst mehr zu haben. Es ging darum, dass die Angst nicht mehr entscheidet.

3

Ganz ohne Druck

Mein Herz durfte sich öffnen

Das Erstaunlichste an diesem Weg war, wie sanft er sich angefühlt hat, es gab keine Aufgaben, die ich erfüllen musste, keine Ziele, die ich erreichen sollte, sondern nur Einladungen, mir selbst ein bisschen näher zu kommen, und ich habe gemerkt, dass Angst eigentlich ein Signal ist, das Aufmerksamkeit möchte, und dass sie leiser wird, sobald sie gesehen wird.

Ich habe in diesen Wochen auch gemerkt, wie viel von meiner Angst gar nicht meine eigene war, sondern aus Geschichten stammte, die ich als Mädchen gehört hatte, aus den Erzählungen meiner Tanten am Kaffeetisch, aus Filmen, in denen Frauen schreiend in Krankenhausbetten liegen, und aus diesem diffusen Glauben, dass eine Geburt etwas ist, das man nur irgendwie überleben muss, und manche dieser Geschichten durfte ich endlich ablegen, weil sie nichts mit mir und meinem Kind zu tun hatten.

Es war das erste Mal seit Langem, dass ich das Gefühl hatte, mir selbst wirklich zuzuhören, nicht meinem Kopf mit seinen Listen und Szenarien, sondern dem leiseren Teil in mir, der schon die ganze Zeit wusste, was ich brauche, und den ich nur nie zu Wort habe kommen lassen.

4

Sie zeigt sich im Kleinen

Innere Stärke ist nichts Lautes

Ich hatte immer gedacht, stark zu sein bedeutet, Schmerzen wegzustecken, keine Schwäche zu zeigen und alles allein durchzuziehen, und in dieser Zeit habe ich gelernt, dass echte Stärke viel leiser ist, sie zeigt sich darin, innezuhalten, wenn alles in dir rennen will, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem weiterzugehen, und dir selbst zu vertrauen, auch wenn du keine Garantie hast.

Niemand hat mir eine perfekte Geburt versprochen, und ich bin froh darüber, denn ein solches Versprechen hätte mich nur unter Druck gesetzt, aber ich habe Vertrauen gefunden, in mich, in meinen Körper und in mein Baby, und dieses Vertrauen hat mich durch die Geburt getragen, auch durch die Momente, in denen es richtig schwer war.

5

Statt etwas, das funktionieren muss

Mein Körper wurde mein Partner

Früher habe ich meinen Körper vor allem dann wahrgenommen, wenn er nicht so wollte wie ich, wenn er müde war, schmerzte oder mich ausgebremst hat, und in dieser Vorbereitung habe ich angefangen, ihn als Partner zu sehen, der mit mir zusammenarbeitet und mir die ganze Zeit Signale schickt, die ich nur lesen lernen musste.

Pausen zu respektieren und Grenzen anzuerkennen, ohne sie als Versagen zu sehen, war für mich eine ganz neue Erfahrung, und sie hat mir nicht nur bei der Geburt geholfen, sondern auch in den Wochen danach, im Wochenbett, beim Stillen und in all den Nächten, in denen ich wieder einmal an meine Grenzen gekommen bin.

6

Und Gefühle zu Erfahrungen

Gedanken werden zu Gefühlen

Eine der wertvollsten Übungen war für mich, meine Gedanken zu beobachten, statt jedem ängstlichen Satz in meinem Kopf sofort zu glauben, und ich habe mir angewöhnt, einen angstvollen Gedanken nicht wegzuschieben, sondern ihm einen freundlicheren an die Seite zu stellen, so wie man einem ängstlichen Kind die Hand gibt, statt ihm zu sagen, dass es sich nicht so anstellen soll.

✎ Mein Gedanken-Tausch

Aus Angst wird eine freundliche Hand

„Ich halte das nicht aus.“

„Ich muss nur diese eine Welle schaffen.“

„Mein Körper kann das nicht.“

„Mein Körper weiß, was er tut, und ich darf ihm helfen.“

„Was, wenn alles schiefgeht?“

„Ich bin gut begleitet, egal was kommt.“

Schreib dir deine eigenen Sätze auf einen Zettel und steck ihn in deine Kliniktasche.

Dazu kamen innere Bilder, die ich mir in ruhigen Momenten immer wieder vorgestellt habe, nicht als Pflichtübung, sondern als kleine Einladungen an mich selbst, und drei davon haben mich bis in den Kreißsaal begleitet.

Meine drei inneren Bilder

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Die Welle

Jede Wehe kommt, wird groß und geht wieder. Ich muss sie nicht aufhalten, nur mit ihr atmen.

Die Blüte

Mit jedem Ausatmen öffnet sich etwas in mir, ganz langsam und ganz von allein.

Die Hand

Eine warme Hand auf meinem Rücken, die mir sagt, dass ich nicht allein bin.

7

Freude und Angst durften nebeneinander sein

Ich war nicht mehr allein mit meinen Fragen

Zu merken, dass so viele andere Frauen dieselben Zweifel und dieselben Hoffnungen haben, hat mich unglaublich getröstet, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass in meiner Vorbereitung alles Platz haben darf, die Vorfreude und die Angst, die Stärke und die Verletzlichkeit, ohne dass ich mich für eines davon entscheiden muss.

Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich einer anderen Schwangeren, die ich kaum kannte, ganz vorsichtig erzählt habe, dass ich große Angst vor der Geburt habe, und wie sie mich angesehen und gesagt hat, dass sie dachte, sie wäre die Einzige, und wie wir danach beide gelacht und ein bisschen geweint haben, weil es so gutgetan hat, das endlich auszusprechen, und manchmal ist genau das schon der halbe Weg, zu wissen, dass da draußen jemand ist, der dich versteht.

8

Was sich in mir verschoben hat

Geburt als Übergang, nicht als Prüfung

Vorher hatte ich die Geburt immer als eine Art Prüfung gesehen, die ich bestehen muss, mit richtig und falsch, mit Erfolg und Versagen, und irgendwann habe ich angefangen, sie als Übergang zu sehen, als einen Weg, den mein Baby und ich gemeinsam gehen und den ich nicht kontrollieren muss, sondern dem ich mich anvertrauen darf, getragen von Kräften, die schon längst in mir angelegt waren.

Und genau das ist in jener Nacht auf dem Badewannenrand passiert, als die Angst wieder kam und ich sie nicht weggeschoben, sondern mit ihr geatmet habe, mit der Hand meines Partners auf meinem Rücken und dem Bild der Welle im Kopf, und ein paar Stunden später lag mein Baby auf meiner Brust, und ich habe geweint, aber diesmal nicht aus Angst.

9

Rückblickend

Was wirklich geblieben ist

Wenn ich heute zurückschaue, bin ich vor allem dankbar, nicht weil alles leicht war, sondern weil ich mich vorbereitet gefühlt habe, innerlich, auf eine Art, die kein Buch und keine Checkliste mir hätte geben können, und weil ich die Werkzeuge aus dieser Zeit bis heute benutze, als Mama, wenn mein Kind tobt und ich ruhig bleiben möchte, als Frau, wenn mir alles zu viel wird, und als Mensch, wenn mir die Angst mal wieder einreden will, dass ich etwas nicht schaffe.

Ganz leise weiterempfohlen

Der Impuls für diesen Weg kam für mich von diesem Kurs zur mentalen Geburtsvorbereitung*, der mich sanft begleitet hat, ohne Druck und ohne Angstmacherei. Ich empfehle ihn dir als Einladung und nicht als Muss, falls du spürst, dass du dir für deine Geburt mehr innere Stärke wünschst.

10

Ein Geschenk von mir

Und für die Zeit danach

Die Ruhe, die ich mir in der Schwangerschaft erarbeitet hatte, wurde nach der Geburt ganz schön auf die Probe gestellt, als mein Alltag sich plötzlich nur noch aus Stillen, Wäsche und Hinterherräumen zusammensetzte und ich mich abends gefragt habe, wo eigentlich meine Zeit geblieben ist.

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Wenn du gerade Angst vor deiner Geburt hast, dann möchte ich dir zum Schluss nur eines sagen, du musst diese Angst nicht loswerden, um gut gebären zu können, du darfst sie mitnehmen, an der Hand, so wie ein kleines Kind, und vielleicht merkst du irgendwann, dass sie leiser wird, je freundlicher du mit ihr sprichst, und dass in dir eine Stärke wohnt, die viel ruhiger und viel größer ist, als du es dir heute vorstellen kannst.

~ ❀ ~

Von Mama zu Mama, von Herzen,

deine Alin 💛

 

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